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Baubiologische Energieberatung 

Baubiologische Energieberatung Baubiologie ist ein interdisziplinäres Fach, bei dem versucht wird, Dinge in ganzheitlichen Zusammenhängen zu verstehen. Aus dieser Perspektive bearbeiten baubiologische Energieberater ihre Aufträge. Hier geht es also nicht nur darum, die Heizkosten für den Kunden zu senken, sondern es gibt wesentliche Verknüpfungen mit den nachfolgenden Punkten. Sie sollen bei einer baubiologischen Beratung beachtet werden, da sie alle eng miteinander verknüpft sind. 

1. Ökonomie 

2. Klimaschutz / Ökologie / Nachhaltigkeit 

3. Gesundheitsprävention 

4. Wohlfühlfaktor / Raumklima 

5. Psychologische Aspekte 

Nur wenn alle genannten Faktoren beachtet werden, wird der Bewohner nicht nur Geld für den Energieträger sparen; er wird sich nachher auch viel wohler in seinem Haus fühlen. 

1. Ökonomie: 

In erster Linie möchten Menschen nicht mehr so viel Geld für ihren immer teurer werdenden Energieträger ausgeben. Baubiologische Energieberater achten darauf, welche Maßnahmen für die Kunden sinnvoll sind, um ein ökonomisches Energiekonzept für das Gebäude zu erstellen. Dabei berücksichtigen sie die Prioritäten der Kunden und die Gegebenheiten des Wohnobjektes. Hierbei wird einerseits versucht, direkte Energiekosten für den Wärme-und Kühlungsbedarf sowie den Strombedarf zu senken; andererseits werden Instandhaltungskosten einberechnet. Dabei wird auf eine langlebige Dämm-und Sanierungsmaßnahme Wert gelegt. Hier fallen geringe Wartungs-und Instandhaltungskosten im gesamten Lebenszyklus an. Am Beispiel Wärmedämmverbundsystem (WDVS) soll dieses ökonomische Denken näher erläutert werden: Achtet man bei einem WDVS auf ein Dämmmaterial mit einer guten Wärmespeicherfähigkeit und auf einen hochwertigen Oberputz, kann man die Gefahr von Algenbewuchs minimieren. Dadurch entfallen aufgrund der Langlebigkeit der Konstruktion teure Instandhaltungskosten. 

2. Klimaschutz/ Ökologie / Nachhaltigkeit: 

Wird beim Energieträger gespart, ist dies ein direkter Beitrag zum Klimaschutz und zur Reduktion von CO2. Bei einer baubiologischen Energieberatung wird aber nicht nur oberflächlich geschaut, wie viel CO2 durch den Energieträger eingespart wird; berücksichtigt wird auch, wie viel Energie verbraucht wird, um die geplanten Maßnahmen zu realisieren. Dies muss gegengerechnet werden, um die wahre Bilanz berechnen zu können. Dabei wird insbesondere auf Nachhaltigkeit geachtet. Nachhaltige Baustoffe sind Materialien, die einerseits lange halten, später wieder verwendet und beim Rückbau möglichst wieder sortenrein getrennt werden können. Damit sollen sie in geschlossene Kreisläufe zurückgeführt werden oder bei ihrer Entsorgung wenig Energie verbrauchen und natürliche Kreisläufe möglichst wenig belasten. Sie leisten somit auch einen positiven Beitrag zum Klimaschutz durch Sparen bei Produktion, Transport, Rückbau und Recyclingenergie. Aber auch auf einen fairen Handel und gerechte Arbeitsbedingungen sollte Rücksicht genommen werden. Entscheidend ist der richtige Einsatz der Heizungstechnik. Nicht alle ökologischen Heizungen sind in jedem Gebäude zu empfehlen. Dies bedarf immer individueller Prüfung. In bestimmten Fällen können z.B. eine Wärmepumpe oder ein Mini-Blockheizkraftwerk (BHKW) von Vorteil sein, in anderen Fällen eher eine moderne Brennwerttechnik oder Fernwärme. All diese Entscheidungen für die Gebäude haben immer auch einen Einfluss auf unser Ökosystem. 

3. Gesundheitsprävention / Schadstofffreies Bauen: 

Eingesetzte Baumaterialien haben einen Einfluss auf die Gesundheit. Bei Nahrungsmitten gibt es schon verschiedene Richtlinien und Verordnungen. Bei Baustoffen gibt es sie nicht in diesem Ausmaß. Richtlinien für Baumaterialien sind z.B. Arbeitsstättenrichtlinien. Sie machen Aussagen über die Gesundheitsbelastungen, wenn sich erwachsene Menschen für 8 Stunden in Arbeitsräumen aufhalten. Es gibt aber keine Richtlinien für Kranke, Kinder und Ungeborene, die teilweise wesentlich empfindlicher reagieren als gesunde und erwachsene Menschen. Immer noch steigt die Zahl der Allergiker und der Patienten mit umweltbedingten Erkrankungen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass ungesunde Materialien unsere Wohnumwelt belasten und deshalb auf schadstofffreies Bauen stärker geachtet werden sollte. Diese Problematik ist bspw. bei Asbest und bei den Holzschutzmitteln im letzten Jahrhundert deutlich geworden. Hier ging man zu Beginn der Produktion davon aus, dass sich die neuen Materialien ideal für ihren Zweck eignen würden. Man berücksichtigte aber nicht die mittelfristigen und langfristigen Schäden, die erst z. T. Jahre später deutlich wurden und zu erheblichen gesundheitlichen und ökonomischen Schäden führten. Auch heute gibt es noch viele Baustoffe, die nach Meinung von Umweltmedizinern zu hohe Werte von leicht- und schwerflüchtigen Schadstoffen für empfindliche Menschen enthalten. Deswegen sollte vor dem massenhaften Einsatz solcher neuen Materialien immer eine gründliche Prüfung erfolgen. Auch Langzeitmessungen sollten gegebenenfalls verpflichtend vorgeschrieben werden. Vermeidung von Bauschäden: Gesundheit kann aber auch durch bauphysikalische Phänomene beeinträchtigt werden. Es ist sehr wichtig, auf richtige Wandaufbauten und auf die Vermeidung von Wärmebrücken zu achten. Wird hier nicht nach den Regeln der Technik gebaut, können Bauschäden auf kalten Wärmebrücken oder Tauwasser in falsch angebrachter Wärmedämmung entstehen. Folge ist die zunehmende Gefahr von Schimmelpilzbelastungen in den Häusern. 

TauwasserIm Abbildung 1 wird ein Bauschaden einer falsch angebrachten Innendämmung dargestellt. Bauschadensbilder

 Abb. 1 Tauwasser in der Konstruktion.

Hier ist bei einer Innendämmung nicht auf bauphysikalische Parameter geachtet worden. Wird bei der Innendämmung nicht auf den Diffusionswert der Konstruktion geachtet, kann es zu Tauwasser in der Konstruktion kommen und Baumaterialien können durchfeuchten. Dies kann zu einem Schimmelschaden führen. 

Abb. 2 Kondensatschaden an einer ungedämmten Außenecke eines Hauses.

Diese Stelle ist an der Innenoberfläche besonders kalt, da es sich um eine geometrische Wärmebrücke handelt, bei der mehr kalte Außenfläche im Verhältnis zur Innenwandfläche vorhanden ist. Hier kann feuchte Luft kondensieren und bildet eine Grundlage für Schimmelbefall. 

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Schimmel
Abb. 3 Schimmel durch undicht eingebaute Fenster.

Der kalte Luftzug der nicht winddicht eingebauten Fenster kühlt die Oberflächen ab. Hier kann feuchte Luft kondensieren und bildet eine Grundlage für Schimmelbefall. 

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Lüftungskonzept:

Zur baubiologischen Energieberatung gehört auch ein Lüftungskonzept für Häuser. Der Mensch braucht genügend Sauerstoff zum Atmen, um gesund zu bleiben. Häuser brauchen ausreichend Abtransport der feuchten Luft, damit das Haus gesund bleibt und vor Schäden geschützt ist. 

Viele Menschen meinen, heutzutage würden die Häuser zu dicht gebaut. Sie glauben, die alte Bauweise sei besser. Dies ist aber ein Trugschluss. Meist fehlt nur das richtige Lüftungskonzept. Auch ältere, undichte Bauten können schnell feucht und muffig werden, wenn bspw. durch Fugen kalte Luft einströmt. Kondensat-Schäden können dadurch in der Konstruktion entstehen und sich somit unsichtbarer Schimmel bilden. Da alte Häuser ungedämmt sind, sind die Innenoberflächen der Wände kalt. Hier kondensiert überschüssige Raumluftfeuchte. Folgen sind oft Schimmelschäden siehe Abbildung 2. Zugige Fenster haben zwar früher zu einem ausreichenden Luftaustausch geführt, sie sind allerdings auch keine Lösung, um sich in den Räumen wohl zu fühlen. Außerdem wird hier sehr viel Energie verpulvert. Weiterhin strömt bei undicht eingebauten Fenstern kalte Luft über die Fensterlaibung mit der Gefahr erneuter Kondensat-und Schimmelbildung, siehe Abbildung 

Wind-und luftdichtes Bauen mit einem ausreichenden Lüftungssystem ist deshalb wichtig. In der Baubiologie ist luft-und winddichtes Bauen mit diffusionsoffenen Bauteilen gefordert. Der Diffusionswert der Bauteile soll nach außen immer größer werden, damit kein Tauwasser in der Konstruktion entsteht. Somit können auch Wände einen, wenn auch geringen Teil der so genannten Atmung übernehmen. Da die Wand aber kein aktives Atmungsorgan ist, kann sie nur einen Bruchteil des Luftwechsels übernehmen. Wichtig ist jedoch, dass keine Fugen an Bauteilanschlüssen entstehen, an denen kalte Luft durchpfeifen kann. Beispiel von Bauschäden siehe oben. Damit der gesunde Luftaustausch stattfinden kann, muss unbedingt ein für das Haus nach Anzahl der Bewohner individuelles Lüftungskonzept erstellt werden. Dieses Konzept kann auf Basis manueller Lüftung, mechanischer Lüftung oder auch einer Kombination aus beiden erstellt werden. 

Strahlungswärme:

Nicht nur die Baumaterialien, die Lüftung und die Bauphysik spielen für die Gesundheit eine Rolle. Auch der richtige Einsatz von Heizflächen ist wichtig. Strahlungswärme, wie man sie von der Sonne kennt, hat gegenüber der Konvektionswärme (wie bei einem Heizlüfter oder Konvektionsheizkörper) physiologische Vorteile. Strahlungswärme wirbelt viel weniger Staub auf, und die Wärmestrahlen dringen zudem tiefer in die Haut ein. Strahlungswärme kann auch den Hormonhaushalt beeinflussen, ähnlich wie die Sonne. Strahlungswärme sorgt dafür, dass sich Wandoberflächen schneller erwärmen. Hierdurch ist der Unterschied zwischen Wandtemperatur und Lufttemperatur geringer. Dadurch entsteht weniger Thermodynamik in Raum. Zudem produziert Strahlungswärme ohnehin kaum Luftbewegung im Gegensatz zu Konvektion, die letztendlich nur durch Luftbewegung funktioniert. Steigt die Luftbewegung im Raum, so fühlt sich der Mensch nicht so behaglich, und es können bis zu zwei Grad mehr an Lufttemperatur erforderlich sein, um sich wohl zu fühlen. Strahlungswärme spart also nicht nur indirekt Energie und ist eine gesündere Wärme, sondern sie führt zu einem Wohlfühlklima, das im nächsten Kapitel Thema sein soll. 

4. Wolhfühlfaktor / Raumklima

Wir fühlen uns in Häusern wohl, in denen wir in Harmonie mit den Materialien stehen und uns die gebaute Umwelt das Gefühl von Sicherheit vermittelt. Diese Bedürfnisse sind aber individuell unterschiedlich. Es gilt für den Energieberater herauszufinden, wie die Vorlieben der Bewohner sind. Dies muss in das energetische Konzept mit einfließen. Alle auf unsere Sinne wirkenden Einflüsse spielen dabei eine Rolle, wie Geruch, Farben, taktile Eigenschaften oder Reflektion von Schall. Insgesamt ist also die Oberflächenbeschaffenheit sehr wichtig. Aber auch die Bauphysik ist hier wieder ein bedeutender Parameter; dazu gehört die Oberflächentemperatur, was schon im letzten Abschnitt erläutert wurde. Die Oberflächentemperatur wird aber auch stark von der Wärmespeicherfähigkeit der Innenoberflächen beeinflusst. Sie sorgt dafür, dass die Wände lange warm bleiben. Warme Wände verringern nicht nur Windbewegungen im Raum, sondern strahlen auch die Wärmeenergie direkt an den Körper zurück. Ein Beispiel: Sitzen wir im Winter vor einem einfach verglasten Fenster, spüren wir schnell die kalte Abstrahlung; sitzen wir aber von einer niedrig temperierten Wandheizung, wird uns angenehm sein. Die Wärmespeicherfähigkeit von bestimmten Baumaterialien sorgt nicht nur für thermischen Komfort im Winter sondern auch für Schutz im Sommer vor Überhitzung der Räume, da Wärme in den Materialien zwischengespeichert werden kann und in der kühleren Nacht wieder abgelüftet wird. Das heißt, durch die richtige Wahl des Dämmmaterials und durch die richtige Verschattung von Räumen kann man erreichen, dass eine teure Klimatisierung eingespart werden kann. Das wirkt sich wiederum auf die Ökonomie als auch auf den Klimaschutz positiv aus. 

5. Psychologische Aspekte:

Psychologische Aspekte spielen eine wichtige Rolle für die Energieberatung. Vorlieben und Befindlichkeiten der Bewohner müssen beachtet werden. Generell sind nur Dinge zu empfehlen, mit denen der Beratungsempfänger etwas anfangen kann. 

erstellt am 5.Mai 2012 von: Dipl.-Ing. Silke Puteanus 

Silke PuteanusArchitektin
Baubiologin IBN
Energieberaterin, Energieplanerin nach DIN V 18599
Zertifizierte Passivhausplanerin
Soetenkamp 45
48149 Münster
Tel: 0251 / 9829993
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